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Orfiril long
Der Neurologe hat verschiedene Sachen ausprobiert, hatte aber nicht den Mut Medikamente ambulant herauszunehmen. Er gab uns
den Rat uns an ein Epilepsiezentrum zu wenden. Wir hatten Bethel und Kiel/Raisdorf zur Auswahl. Über Bethel konnte er sagen,
dass die gut sind, aber keine Mutter/Kind-Einheiten haben. Von Raisdorf wußte er nicht viel über die Ärzte, weil der
Oberarzt gewechselt hatte. Wir haben dann für Raisdorf entschieden. Wir haben auch innerhalb von ein paar Wochen einen
Vorstellungstermin bekommen. Da wurde uns das Zentrum gezeigt und wir hatten ein Gespäch mit Dr. Rinnert, der Oberärztin.
Wir kamen gleich gut mit ihr klar und haben für den 4. Januar 2003 einen stationären Aufenthalt eingeplant.
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Und dann gings los: Ende Februar, anfang März ging eine Grippewelle um. Auch in Raisdorf. Annika hatte die Grippe ebenfalls,
genauso wie Nina. Bei Nina entwickelte sich langsam eine Lungenentzündung, weil sie sich ja kaum bewegt und viel geschlafen
hatte. Ohne Luminal war sie auch nicht viel wacher.
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Als wir wieder zu Hause waren, gingen die alten Probleme weiter
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Das erste was wir dachten war: Jetzt hat sie keine Schmerzen mehr. Sie ist jetzt einfach Nina!
Annika hat sie aus dem Schlafzimmer ins Kinderzimmer getragen um dort von ihr Abschied zu nehmen. Wir haben sie gekuschelt,
geschmust und uns Zeit genommen. Nach ca einer halben Stunde haben wir sie in ihr Bettchen gelegt, das wir im Wohnzimmer stehen hatten.
Dort haben wir ihr etwas mehr angezogen.
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01.Januar.2002
Ich möchte mich bei euch und euren vielen lieben
Gesundheitsgrüßen und lieben und aufbauenden Worten ganz herzlich
bedanken!!! Es hat anscheined eine ganze Menge
genützt, denn Nina geht es schon seit 8 Tagen gut.
Gestern habe ich die Magensonde gezogen, mal
sehen wie lange es diesmal gut geht.......
30.Januar.2002
Es geht Nina zur Zeit ganz gut und uns dann
logischerweise auch!! Inzwischen kommen wir immer
öfter in den Genußzu erfahren, das es auch
wunderschön sein kann, Eltern zu sein.Die Momente
in denen es durchkommt,was Nina schlimmes passiert
ist, und das es unser Baby ist, das so schwer
krank ist( manchmal kann ich es selber nicht
glauben und denke es ist allesein Traum),kommen
immer seltener vor.
Mein Allergrößter Wunsch bleibt, das Nina irgendwann
so gut sehen kann das sie mich erkennt und mich anlächelt.....24.Februar.2002
Nina hat die ganze Zeit keine Magensonde gebraucht
Und wir sind auch immernoch zuHause. Wir sind zwar
unzählig oft bei ärzten und sie hatte auch wieder
Lungenentzündungen aber im großen und ganzen kann
man schon sagen das diese Hochs und Tiefs nicht
mehr ganz so extrem sind. Leider sind ihre
Krampfanfälle wieder sehr stark geworden.Es ist so
schrecklich das mit anzusehen und nix tun zu können.
Aber diese lange Phase in der der es stetig ein
bischen mehr berg auf als berg ab ging hat mir
schon sehr viel Kraft gegeben um das durchzustehen.
Ich möchte mich nochmals bei euch allen bedanken für
die lieben Grüße und die ganzen Wagenladungen voll
an Gesundheits- und stärkenden Mutmachgrüßen !!!
Ganz besonders für die langen einfühlsamen Gespräche!!!
09.März.2002
Zur zeit sieht es nicht so gut aus, denn die Anfälle werden einfach nicht besser.
Ich habe sie 8 mal am Tag und muß dabei immer ganz doll weinen.
Das tut sooo weh......Mama und Papa genauso wie mir.
Das nimmt uns auch ganz schön mit.
Da ist nicht nur mir ständig zum heulen zumute.
Wir alle müssen noch sehr geduldig sein, aber das fällt uns so schwer bei
dem Gedanken das bei jedem Anfall was in meinem Köpfchen kaputt geht.17.Juni.2002
So, hab ja lange nichts von mir hören lassen.
. Wo Bernie auch gleich ein bißchen
Schwimmen war.
Aber wie sagt man so schön:
Wer sich nicht meldet dem geht es gut.
Ja und so ist es auch wirklich.
Ich bekomme jetzt mehr Sabril und das hat mir sehr geholfen. Ich habe jetzt
nur noch 1-2 Anfälle am Tag. Und das ist für uns alle eine große Erleichterung.
Zwischendurch waren sie fast ganz weg. Da haben wir so jeden Tag richtig genossen.
Weil ich aber immer so müde bin haben wir es gewagt, auch eine halbe Luminalette
wegzulassen und das hat mich auch viel wacher und aufmerksamer gemacht ;o)
Alles lief so gut, das wir sogar einen kleinen Pfingsturlaub gemacht haben ;o)
Wir waren in Hamburg bei Bernie. Wir haben große
Spaziergänge an der Elbe gemacht. Wir waren 6 stunden
unterwegs. Da mußten wir ab und zu eine Pause machen auf einer
Mauer , im Eiscafe oder im Park am
Ententeich
Aber wir waren auch froh, als wir wieder zu Hause waren ;o)
Denn da ist es ja immernoch am schönsten ;o)
Zum Geburtstag habe ich einen Fahrradanhänger und eine
neue Hängematte bekommen Die andere Hängematte ist
jetzt zu klein geworden. Da könnt ihr euch ja denken wo ich jetzt meistens anzutreffen bin ;o)
Leider ist es mit den Anfällen in der letzten Woche wieder ein bißchen stärker geworden und wir
konnten den Zusammenhang nicht finden. Vielleicht liegt es auch einfach am Wetter. Das Bedarf
noch ein bißchen Beobachtung.
Ich komme durch das warme Wetter aber auch ganz ohne künstliche Wärmequellen aus. Meine
Temperatur schwankt aber immer noch sehr und wenn ich doch mal zu warm werde, dann bekomme
ich einen schlimmen Krampfanfall. Meine ärztin schreibt mir eine Verordnung für ein kleines
gerät das ständig meine Temperatur mißt und dann piept es wenn ich zu warm oder zu kalt werde.
Jetzt müßt ihr alle die Daumen drücken, das unsere Krankenkasse das bezahlt.
Ich habe in letzter Zeit viel gelernt. Ich kann jetzt schon Brei essen und super gut an der
Flasche saugen. Ich lerne zur zeit Brot kauen und das Trinken aus einem Becher.
Mama übt auch viel sitzen mit mir.
Beim Turnen stehe ich manchmal am Ball um meine Hüft- und
Kniegelenke zu belasten. Damit sie sich richtig entwickeln.
Achso, und eines hätte ich ja fast vergessen, ich habe schon drei Zähne, mit denen
ich auch viel beißen übe.
Wir sind schon sehr gespannt, wie dieser , mein eigentlich erster Sommer wird ;o))))Ende 2002
Jetzt ist das Jahr fast zu Ende, aber ihre Anfälle sind immer noch nicht besser eingestellt. Im Gegenteil, sie sind
stärker geworden. Und das obwohl sie 5 Medikamente bekommt.
Sabril
Luminaletten
Trileptal und
Topamax
Wir hatten nicht das Ziel abgesprochen sie Anfallsfrei zu bekommen, sondern ihre Lebensqualität zu erhöhen, also sie
wacher zu bekommen.04.Januar 2003
Annika und Nina wurde dort in eine Mutter/Kind-Einheit untergebracht. Das ist ein Zimmer mit Bad, WC und Telefon.
Wir haben uns das da mit Fernseher und Radio eingerichtet.
Die Behandlung ging ziemlich schnell los. Es wurden der Reihe nach Luminal, Sabril und Topamax abgesetzt. Die Medikamente
wurden relativ schnell herausgenommen. Bei Luminal dauerte es allerding 2 Monate bis der Spiegel auf 0 war. Die Anfälle sind,
bis auf ein paar Entzugsanfälle, nicht schlimmer geworden.
Sie bekam nicht mehr viel Luft und weil Raisdorf nur eine Klinik für stabile Epilepsiekinder ist, wurde Nina in die Uni-
Klinik Kiel überwiesen. Dort hat man festgestellt das sie eine Lungenentzündung hat, haben aber mit der Gabe eines
Antibiotikums gewartet. Es hätte ja eine virelle Lungenentzündung sein können. Wir haben den Ärzten gesagt, das sich
bei Nina schnell etwas draufsetzen kann. Nach einer Woche brauchte sie 100% Sauerstoff und wurde auf die Intensivstation
verlegt. Hier hat man ihr dann endlich Antibiotikum verabreicht. Sie brauchte auch eine Atemhilfe und mußte über Sonde
ernährt werden.
Hier haben sie auch wieder ihre üblichen Probleme entdeckt: Schwankungen im Natrium und Kortisol, sowie ihre Herzrythmusstörungen.
Auch hier haben wir den Ärzten gesagt, dass das normal ist, aber sie haben immer versucht gegen die Schwankungen anzugehen.
Schlechte Leberwerte hatte die Kleine auch noch, deshalb haben sie panikartig Orfiril abgesetzt, was natürlich für einen
Epileptiker, und auch für nichtepileptiker, fatal sein kann. Damit sie keine starken Nebenwirkungen bekommt, haben sie ihr
Parecephan verabreicht. Das sollte den Stoffwechesel und den Kreislauf herabsenken. Das hat das Mittel auch. Blutdruck war kaum
noch nachzuweisen, der Puls war schon bei 40, Tendenz fallend. Dann haben sie ihr immer Atropin gespritzt, damit das Herz
wieder schneller schlägt. Irgendwann sind die Ärzte auf die Idee gekommen, das es am Paracephan liegen könnte. Sie haben das
abgesetzt und innerhalb von 24 Stunden ging es ihr besser. Sie brauchte aber immer noch Sauerstoff. Das ist aber normal, wenn
man länger Sauerstoff erhalten hat, gewöhnt sich der Körper dran.
Wir waren schon so genervt, das wir nur noch weg wollten. Dann kam der Tag, das wir wieder nach Raisdorf sollten. Aber wir
sind dann nach Hause, weil in Raisdorf Windpocken waren.
Annika durfte da auch nicht mehr hin, weil sie schwanger war. Sie war zu dem Zeitpunkt im 5ten Monat. :-))
Zu diesem Zeitpunkt hatte Nina nur noch Trileptal. Als Orfirilersatz sollte Nina noch zusätzlich Lamictal bekommen. Das so
ähnlich wie Orfiril wirkt, aber nur beim Einstellen Nebenwirkungen zeigen kann, die im schmlimmsten fall tödlich sein
können.
Am Anfang wurden die Anfälle wieder stärker, weil Orfiril fehlte, aber mit jeder Erhöhung von Lamictal wurden die Anfälle
schwächer und weniger. Wir hatten Sie bald soweit, das sie nur noch ein bis drei Anfälle pro Woche hatte!!
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April 2003
Aber dabei sollte es nicht bleiben. Die Umstellung und die Lungenentzündung hatten sie ziemlich mitgenommen. Sie hatte seit
der Intensivstation eine Ernährungsonde und Probleme mit dem Abführen.
Mit der Zeit wurde sie zu Hause immer unruhiger und fing an zu weinen, sich zu überstrecken und an Essen und Trinken war
gar nicht mehr zu denken. Unsere Kinderärztin hatte uns in dem Vorschlag, nochmal nach Raisdorf zu gehen, unterstützt.
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29. April 2003
Dort hat man sofort auf einen Reflux getippt, der ihr Schmerzen bereitet und eine starke Spastik hatte man ihr attestiert.
Es wurden die Mediakamente Lioresal und Musaril eingeführt, die Muskelentspannen und etwas schmerzlindert wirken sollen.
Wir hatten nicht den Eindruck, dass die Medikamente halfen.
Die Kleine sollte auch noch für eine Schilddrüsenhormon und Kortisolunersuchung in die Uniklinik. Das sie das schon bei der
Kinderärztin hinter sich hatte, hat die in Raisdorf nicht interessiert. In der Uniklinik sagte man uns dann, das die Unter-
suchung dann ja nicht durchgeführt werden brauch. Na toll, dachten wir. Wir waren aber erstmal ein paar Tage da. Zum Ende
der Zeit, hatten wir das Gefühl, als wenn die Kleine wieder eine Lungenentzündung bekommt und wollten, das ihr sofort
Antibiotikum verabreicht wird. Die Ärztin meinte zu uns, das wir erstmal abwarten sollten, ob Entzündungswerte da sind
und so. Am nächsten Tag sagte sie und dann, dass doch Entzündungswerte da wären. Wir haben dann auf die Gabe eines Antibiotikums
bestanden und, siehe da, die Kleine hat es dann auch bekommen. Die Lungenentzündung war ganz schnell wieder weg.
Wir sind dann nach Raisdorf zurüchverlegt worden. Hier sollten wir noch ein paar Tage warten, da eine Unersuchung des
Refluxes in der Uniklinik durchgeführt werden sollte. Die Ärzte in Raisdorf waren felsenfest davon überzeugt, dass sie einen
Reflux hat, der operiert werden muß. Des weiteren würde das Lioresal in Tablettenform bei Epileptikern nicht wirklich helfen.
Es sollte im gleichen Zuge dann auch noch eine Baklofenpumpe einoperiert werden (Eine Pumpe, die den Wirkstoff der in den
Lioresaltabletten ist, direkt ins Hirnwasser pumpt.) Einstellungszeit ca. 4 Wochen. Und da sie ja eine Sonde hat, sollte
im gleichen Zuge noch eine PEG-Sonde einoperiert werden. Weil sie ja angeblich einen starken Reflux hat, hätte dann auch noch
eine zweite Sonde vom Magen in den Darm einoperiert werden müssen, der später leicht verutschen kann -> erneute OP.
Unsere Meinung zu dem ganzen Kram kann sich der Leser wohl denken.
Wir haben Dr. Rinnert gefragt, ob wir es nicht wieder mit Orfiril oder Luminal ausprobieren könnten. Damit kam
Nina aus unserer Sicht gut klar. Sie war gegen Luminal, weil sie der Meinung war, es ginge ihr damit schlecht.
Für Orfiril war sie schon zu haben, meinte aber das wir es in der Uniklini machten müßten. Das Risiko,
dass bei dem Einführen die Leberwerte verrückt spielen könnten, war ihr zu groß.
Wir wollten aber erstmal die PH-Metrie abwarten.
Es kam dann die Refluxuntersuchung (24h-PH-Metrie). Der Test konnte aber nicht erfolgreich durchgeführt werden, weil ein
anderes Medikament (Antramups) den PH-Wert zu stark beeinflusst hatte. Wir sollten noch ein paar Tage in der Klinik bleiben,
bis der Test wiederholt werden könnte. Wir haben dankend abgelehnt und sind nach Hause gefahren. Es hieß dann von der
verblüften Ärzten, das wir in 14 Tagen nochmal wiederkommen sollten, das es aber einfacher wäre, wenn wir da bleiben
würden. Naja, die Betten müssen besetzt werden.06.Mai 2003
An diesem Tag, haben wir für einen Tag Urlaub bekommen, weil wir einen Untersuchungstermin in Uniklinik Hamburg-Eppendorf
hatten. Wir haben schon vor Monaten Blindenstatus beantragt. Der erste Termin hatten wir abgesagt, wegen Raisdorf (Anfang
des Jahres). Jetzt aber wollten wir hin, weil wir das sonst erneut hätten beantragen müssen. Auf der einen Seite war uns
schon klar, das sie nichts oder kaum etwas sehen konnte. Aber irgendwie haben wir schon gehofft eine positive Nachricht
zu erhalten.
Die Untersuchung ergab, das sie eine kortikal Blind ist, was durch die Hirnschäden kommt, aber auch der Seenerv zeigt schon
eine Atropie (Nervenzellenschwund). Der Arzt sagte uns, das es so bleiben kann, aber auch schlechter werden kann. Hell und
dunkel könnte sie aber theoretisch sehen, meinte er.
Wir haben daraufhin die Zeichen Bl und Ag erhalten und sofort einen Parkausweis beantragt.Anfang Juni 2003
Die Einstellung der Medikamente (Lioresal und Musaril) war weniger bis gar nicht erfolgreich. Wir sollten uns ja auch auf
die Baklofenpumpe einlassen. Naja, wie dem auch sei. Wir sind wegen ihrer Schmerzen als letzte Möglichkeit zu unserer
Kinderärztin gefahren. Die sah Nina nur, meinte zu uns, das es kein Wunder sei, dass sie so schreit und hat ihr eine
großen Einlauf verpasst. Sie hatte nämlich starke Bauchschmerzen und eine Unterfunktion der Schilddrüse. Vor dem zweiten
Aufenthalt in Raisdorf waren die Werte OK. Wir haben dann Practoklis verschrieben bekommen und sollten es immer anwenden,
wenn wir meinten, sie hätte starke Bauchschmerzen. Wir haben sie damit ganz gut hinbekommen. Sie war aber immer noch unruhig,
und hat dabei immer viel Luft geschluckt. Ihre Anfälle hatten sich auch wieder verschlechtert. Sie war sehr schreckhaft und
weinte dann immer viel und schluckte wieder Luft.
Über ihre Sonde haben wir die Luft immer absaugen können. Das war aber keine Lösung.
Überstreckt hat sie sich immer noch. Und wenn sie sich so überstreckt hat, konnte sie keine Luft ablassen, weder oben noch
unten.12./13. Juni 2003
Die zweite PH-Metrie.
Diesmal klappte der Test gut und es wurde ein schwacher Reflux festgestellt, der gar nicht operiert werden brauchte.
Dr. Rinnert war inzwischen im Urlaub, so hatten wir mit ihrem Chef Prof. Dr. Stephani kontakt aufgenommen. Ihn haben
wir wegen Luminal gefragt, nachdem wir ihm nochmal alles erzählt haben. Er fand es zwar keine gute Idee, aber er meinte,
dass wir es ausprobieren sollten.Juli 2003
Wir haben das Luminal wieder auf 1 1/2 Tabletten reingenommen. Seitdem geht es ihr gut. Sie hat viele Wachphasen, kommt
mit der Luft gut klar, ist entspannt, aufmerksam, ißt und trinkt wieder. Und nachdem wir ihr das Melatonin (Schlafhormon)
weggenommen haben, hat sie jetz auch einen einigermaßen geregelten 24-Tagesrythmus. Nachts schläft sie endlich durch.
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27.Juli 2003
An diesem Tag sollte Nina eine Nebenrolle in unserem Leben spielen, denn an diesem Tag um 03:55 morgens kam unser zweites
Kind. Ein Junge. Sein Name: Ben Luca.
Für diese Nebenrolle bekommt die Kleine aber ein Auszeichnung. Wir hatten sie mit im Kreissaal. Es haben sich zwar mehrere
Freunde angeboten auf die kleine aufzupassen (auch Nachts!!), aber irgendwie war uns das lieber, wenn sie bei uns ist.
Das Krankenhaus hatte auch gar nichts dagegen. Sie kannten Nina noch von damals. Sie hat so ziemlich alles verschlafen, naja
es war ja auch mitten in der Nacht.
Am nächsten Morgen sind Nina und ich dann völlig erschöpft nach Hause gefahren. Das war jetzt das erste mal, dass ich ein
paar Tage alleine mit der Kleinen zu Hause war. Das war völlig ungewohnt, habs aber hinbekommen :-))August 2003
Ninas Bauchschmerzen wurden wieder stärker. Wir hatten versucht Lioresal zu reduzieren. Haben immer hin und her geändert.
Wir dachten es läge an dem Lioresal. Wir haben es wieder etwas erhöht, aber es brachte auch nicht viel. Wir haben dann das
Luminal auf zwei Tabletten erhöht. Das brachte etwas.
Wir haben mit der Zeit festgestellt, dass ihre Verdauung ab und zu Urlaub macht. Das Essen wird dann nicht richtig verdaut
und schlecht in den Darm weitertransportiert. Einläufe bringen dann auch nicht viel. Wir mußten dann immer ein paar Tage
warten, bis ihr Verdauungssystem wieder in Schwung kam. Dann konnten wir mit Einläufen nachhelfen.
Wir haben ihr auch viel Chloralhydrat in den Po verabreicht. Es hat dort sofort eine entspannende Wirkung und wenn nichts
herauskam, dann hat es seine schlafende Wirkung entfaltet. So ging es eine ganze Zeit lang weiter.
Ihre Anfälle waren weiterhin sehr wenige. Ein bis zwei in der Woche.September 2003
Ende September hatten wir einen Termin bei einem anderen Neurologen, Dr. Gabriel. Wir wollten einen Neuanfang versuchen.
Unser voriger Neurologe war mit seinem Latein am Ende.
Dr. Gabriel haben wir Ninas ganze Lebensgeschichte erzählt, die Krankenhausaufenthalte, ihre Mediaktion und ihre Probleme.
Als wir ihm erzählt haben, dass sie Lamictal, Trileptal und Luminal bekommt, runzelte er die Stirn und meinte: Es gibt
Medikamente, die wirken Positiv aufeinander, dann gibt es Kombinationen, die sich nicht beeinflussen und es gibt Kombinationen
die absolut schlecht sind und Nina hat diese dritte Kombination. Aber weil sie gut klar kommt, will er daran auch nichts ändern.
Wir sollten nochmal einen Medikamtenspiegel abnehmen lassen und durchfaxen.November 2003 - Urlaub in Malente
Wir haben von Annikas Tante eine Woche Urlaub in deren Hotel geschenkt bekommen. In dieser einen Woche ging es Nina einfach gut.
Sie hatte gar keine Probleme. Ab und zu mal einen Anfall, aber das war nicht weiter schlimm. Ihre Verdauung ging hervorragend genauso
wi ihr Stuhlgang. Sie war viel wach. Es war einfach alles gut!
Dezember 2003
Wir haben mit der Nahrung viel hin und her probiert. Wir haben die Kombination, die wir in Malente hatten wieder gegeben. Dort hatten wir
Nahrung gekauft, weil wir die aus Platzgründen nicht mitnehmen wollten. Aber es half auch nicht viel. Es ging wieder schlechter weiter. Es
halfen viele Bauchmassagen und Einläufe. Weihnachten war für Nina nicht wirklich schön. Sie hat fast alles verschlafen.
Wir haben auch angefangen ihr öfters etwas zu schlafen zu geben, damit sie nicht solche Schmerzen hat. Wenn sie eingeschlafen ist, hatte sie
sich auch entspannt und konnte dann leichter abführen.Anfang 2004
Es ging so weiter, wie das Vorjahr geendet hatte. Ihr EEG wurde aber immer besser. Sie hatte auch kaum noch Anfälle. Wenn sie mal
eine lange Zeit wach war und schon eine leichte Reizüberflutung hatte, dann wurde die Anfälle mehr. Dann hat sie etwas zu schlafen bekommen.
Mit der Zeit wurde es aber immer schwerer. Unser Sohn Ben forderte Annika natürlich auch. Ich habe dann die Pflege zum großen Teil übernommen.
Der Kleine wollte natürlich auch viel raus, aber das ging mit Nina nicht so einfach. Wir wohnen im 1. Stock eines Zweifamilienhauses. Wir mußten
langsam ans Umziehen denken. So ging es nicht weiter. Wir hatten schon einige Zeit geguckt. Wir waren auch am überlegen, ob wir nicht bauen
sollten. Das hätte uns aber stark eingeschrängt. Ein Haus finanziert sich ja nicht von selbst.
Juli 2004
Wir haben dann, nach einigem hin und her, eine Traumwohnung im Ergeschoß gefunden. 125 qm, 4 Zimmer, schöner Garten, sehr ruhige Lage
am Ende eine Spielstraße einer Neubausiedlung. Einfach perfekt. Der Umzug wurde von der Pflegekasse bezahlt, da wir wegen Nina umgezogen sind.
Zu diesem Zeitpunkt haben wir auch ein Versuch gestartet. Wir haben die Nahrungsportionen von 4 Malzeiten á 4 Spritzen auf 8 und dann
später auf 16 Spritzen erhöht. Sie fühlte sich deutlich wohler. Sie hatte weniger Probleme, sie hat sich nicht mehr so verkrampft, Sie war einfach
besser drauf. Wir haben uns so gefreut.
August 2004
Ein großer Schritt stand in unserem Leben und in Ninas Leben bevor. Sie kam in den Heilpädagogischen Kindergarten der Lebenshilfe. Nach
ersten Eingewöhnungsproblemen hatte sie sich richtig eingelebt. Sie war richtig gut drauf, der Kindergarten hat Nina auch richtig schön
aufgenommen. Sie hatte dann eines Tages einen Schnupfen, daraus entstand, wie gewöhnlich, mal wieder eine Lungenentzündung. Die wurde
mit Antibiotikum behandelt. Diesmal allerdings ein anderes. Das hat nicht richtig geholfen und so kam einige Zeit später nochmal ein zweites
zum Einsatz.
September 2004
Die Lungenentzündung ging langsam weg. Als wir eines Tages zur Nachkontrolle waren, hat die Kinderärztin einen Schreck bekommen, weil
Ninas Atmung so flach war. Sie hatte darauf hin Solosin bekommen, was normalerweise von Astmatikern genommen wird. Die Atmung wurde
auch wieder kräftiger und etwas schneller und als Nebenwirkung wurde sie auch schön warm. Alles war in Ordnung
21 September 2004
Ihr Atmung wurde immer schneller. Wir wurden aus dem Kindergarten angerufen, das ihre Atmung ganz schnell geworden ist. Als sie nach
Hause kam, haben einen Schreck bekommen. Sie hatte 50 bis 60 Atemzüge pro Minute.
22 September 2004
Wir hatten total Angst und haben die Kinderärztin Mittwochabend privat angerufen. Sie hat zu uns, das sie nicht in Lebensgefahr schwebt.
Ihre Atemfrequenz ging runter, wenn man sie auf der Seite gelagart hatte. Wir waren total dankbar, das sie sie untersucht hatte. Ihre Sättigung
war zwar bei 79%, also schon bedrohlich, aber das war in dieser Situation in Ordnung. Sie hat nochmal vorsichtshalber ein Antibiotikum
bekommen. In den darauffolgenden Tagen wurde ihr Zustand langsam aber stetig besser. Am Freitag haben wir eine Sauerstoffgerät
bekommen, damit wir ihr helfen konnten.
27 September 2004
Es ging ihr gegen Mittag richtig schlecht. Sie hatte eine schnelle flache Atmung. Sie hatte schon Sauerstoff, aber es half so gut wie gar nicht.
Ich bin früher von Arbeit nach Hause gefahren. In der Firma habe ich das erste mal ausgesprochen, das Nina wohl im sterben liegt. Die ganze
Fahrt nach Hause mußte ich weinen. Als ich dann zu Hause ankam, war sie wirklich ganz schlaff. Ich hab sie auf den Schoß genommen. Sie
hat sich ganz schnell verändert. Sie wurde wieder fast die Alte. Sie war den ganzen Tag und den Abend wieder normal, zwar schwach, aber
trotzdem normal. Abends hat sie ihre Medikamente bekommen. Eine Stunde später wurde ihr Zustand wieder deutlich schlechter. Wir sind
so lange aufgeblieben, bis es wieder besser wurde. Da war uns klar, das es mit den Medikamenten zu tun haben mußte. Da sie ihre sonstigen
Medikamente vertragen hatte, mußte es am Solosin liegen. Wir wollten es ab dem folgenden Tag auf die Hälfte reduzieren. Wir haben uns
erkundigt, ob es zu Entzugserscheinungen kommen kann und ob es Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen gibt. Trileptal (Oxcarbazepin)
hatte ein Artverwandten Wirkstoff (Carbazepin), mit dem es zu unvorhersehbaren Wechselwirkungen mir Solosin (Theophyllin) geben konnte.
Ihr Stuhlgang und das Wasserlassen wurde immer unregelmäßiger. Sie hatte zwar immer Schwankungen aber diesmal waren sie stärker. Wird
mußten sie sehr viel massieren, damit sie Pipi gemacht hat und Stuhlgang hatte. Sie hat ihren Milchbrei kaum verdaut. Wasser hatte sie aber gut
aufgenommen.
28 September 2004
Als ich morgens aufgestanden bin, war die Windel bis zum Platzen voll mit Pipi. Einige Stunden später war die Windel wieder randvoll.
An diesem Tag haben wir die Medikamentengabe morgens auf zwei Gaben verteilt. Ihr Zustand war zwar wieder schlechter, aber nicht ganz
so schlimm wie am Vortag.
29 September 2004
Es hatte sich an ihrer Atemfrequenz nichts verändert. Deshalb haben wir es ganz abgesetzt. Ihr Zustand war wieder ein kleines bischen besser
als am Vortag. Wir hatten Hoffnung, das wir auf dem richtigen Weg waren. Sie hatte aber keinen Stuhlgang mehr. Pipi kam Abends dann
auch endlich heraus.
30 September 2004
Da wir einen glaubten ine Erklärung gefunden zu haben, war die Situation leichter Einzuschätzen. Wir hatten auch heute den Eindruck, das
ihr Zustand wieder ein bischen besser geworden war. Aber kein Stuhlgang und kein Pipi! Ihre Hände und Füße waren Eiskalt, obwohl sie schön
warm eingepackt war. Das war eigentlich nicht unnormal.
1. Oktober 2004
Wir hatten uns hingelgt, wie immer. Annika wurde nachts um 2 wach und hatte ein komisches Gefühl. Sie hat sich zu Nina galegt. Sie hat ihr die
ganze Zeit den Bauch massiert, damit etwas herauskommt. Sie hatte schon einen ganz dicken bauch. Es wollte einfach nichts herauskommen.
Ihr Hände und Füße waren kalt wir Eiswürfel. Annika hat ihr noch wärmekissen unter die Decke gelegt. Ihr Körper war schön warm, aber
ihre Kopfhaut, die an der Luft war, war auch Eiskalt.
gegen 04:20 krabbelt unser Ben über Annika hinweg zu Nina und kuschelte sich an sie. Das hat er das erstemal getan! Annika ist aufgestanden,
um noch mehr wärmekissen zu holen. Als sie wiederkam, hat Ben wieder Platz gemacht, damit Annika sich wieder zu Nina legen konnte.
04:25: Nina zuckte ein oder zweimal. Annika weckte mich und meinte nur: Nina stirbt. Wir wollten es nicht wahrhaben. Wir haben uns hingesetzt
und Nina zwischen uns genommen. Sie zuckte nochmal, machte die Augen auf und schaute mich kurz fragend an. Dann machte sie die Augen zu
und ihre Atmung wurde immer flacher.
04:31: Nina ist friedlich in unseren Armen für immer eingeschlafen...
Sie sah so friedlich und glücklich aus. Das hat uns trotz allem Kraft gegeben!Die Stunden danach
Wir haben versucht unsere Kinderärztin zu erreichen, weil wir nicht wußten, was wir machen sollten. Sie war nicht erreichbar. Wir haben im
Krankenhaus angerufen. Dort sagte man uns, das wir uns an den Rettungsnotdienst wenden sollten. Dort hat Annika angerufen und gesagt, das
unsere Tochter gestorben ist.
Nach ein paar Minuten war der Rettungsdienst da. Sie kamen mit einem Defibrilator rein. Die Notärztin fragte uns wann es passiert ist. Wir sagten
es ihr und ihr fiel der Unterkiefer runter. Wir haben ihr kurz erzählt, wie es um Nina stand.
Der Notärztin kam es natürlich komisch vor. Wir hatten einen Arztbrief geholt wo ihre ganze Geschichte drinsteht. Kurz darauf kam ein Polizist in
zivil. Die müssen bei Todesfällen zu Hause kommen. Es kann ja auch mord gewesen sein. Der Polizist war sehr einfühlsam und kam auch sofort
zu dem Schluß, das es ein natürlicher Tod ist. Nur die Notärztin wollte das nicht ankreuzen. Wir haben dann unseren Neurologen Dr. Gabriel
telefonisch erreichen können. Er hat der Ärztin und dem polizisten Ninas Lage erklärt. Daraufhin hat die Notärztin auch das Kreuz gemacht.
Hätte sie es nicht getan, hätte der Polizist sie beschlagnahmen müssen. Und weil das alles auf einem Freitag war, hätte erst am Montag von
der Staatsanwaltschaft entschieden werden können, was mit Nina zu geschehen hat.
So konnten wir sie noch bei uns behalten. Wie haben im Bestattungsunternehmen in unserer Nähe angerufen. Sie hätten sofort kommen können,
aber wir wollten nocht nicht. Wir wollten uns noch von ihr verabschieden. Um 9 Uhr kam unsere beste Freundin mit ihren beiden Kindern. Sie
war auch total fertig. Sie kannte Nina von Anfang an und hat alles miterlebt.
Es war aber schön, das wir drei Kinder da hatten. Die haben eine schöne Stimmung erzeugt.
Nachmittags um 15 Uhr kam eine Frau vom Beerdigungsunternehmen. Sie war sehr einfühlsam. Wir haben in aller Ruhe alle Formalitäten,
Sterbeanzeige, Sarg, Blumen, Musik, etc.
Anschließend haben wir Nina ausgezogen. Die Leichenstarre war inzwischen schon eingetreten und Leichenflecken waren auch schon vorhanden.
Wir hatten aber kein ekel oder ähnliches. Es war trotz allem noch unsere Nina. Wir haben sie gewaschen und ihr gemütliche Klamotten angezogen.
Inzwischen war der Sarg eingetroffen. Es war ein Sarg für Erwachsene. Sie wußten nicht, welche Größe sie für Nina brauchten. Dort haben wir
sie dann hineingelegt. Ihr Kissen und ihre Decke mit "Nina" drauf haben wir ebenfalls mit hineingelegt.
Unser Ben war total durch den Wind. Er wollte immer wieder zu seiner Nina. Wir haben ihn gelassen. Er hat sich immer auf sie raufgelegt und
sie gekuschelt. Auch als sie im Sarg lag, wollte er noch einmal zu ihr.
Wir danken ganz besonders:
uns gegenseitig
Mutti
Christoph
Papa und Dörte
Wolfgang und Heidi
Christine W.
Daniela & Torsten
Zoe
Anne und Jörg
Ingrid
Familie Dehning
Oma
Christine Z.
Nicole
Dr. Hertzberg, Kinderneurologe, Kinderklinik Hamburg Altona
Dr. Kelber, Kinderärztin in Lüneburg
Dr. Kaczmarek, Kinderärztin, Kinderklinik Lüneburg
Dr. Rinnert, ehemalig leitende Ärztin in Raisdorf
Prof. Dr. Stephani, Chefarzt der Kinderneurologie an Uniklinik Kiel
Frau Harendza-Schneider, Physiotherapeutin (im Ruhestand)
Uschi
Andrea L.
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